Keine Etiketten mehr!

 

 

Keine Etiketten

Keine Etiketten

Die Welt unterm Regenbogen dreht sich schnell, wenn auch nicht schnell genug. Eh klar.

Aber: Vor rund hundert Jahren gab es lesbische oder bisexuelle Frauen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht.

Pikant dabei, dass einige der begehrtesten Kurtisanen der Welt Frauen liebten. Wie die Tänzerin Liane de Pougy, ein Mega-Star der Belle Epoque, die von ihren Liebhabern, die meisten waren Adlige, Staatsmänner, Unternehmer, auf jeden Fall waren sie alle unvorstellbar reich und mächtig, mit Juwelen, Häusern, Kutschen und was Frau damals sonst noch so brauchte, überschüttet wurde. Sie selbst widmete sich lieber ihrer großen Liebe Natalie Barney und schrieb den autobiografischen Roman „Sapphische Idylle“.

In den 1920er Jahren tanzten Lesben in Berlin zumindest in Hinterhof-Kneipen oder trugen ein Sträußchen violetter Veilchen im Schoß,  Claire Waldoff war ihre Galionsfigur. Gleichzeitig entstand in Paris der „Left Bank“ Zirkel um Getrude Stein und Djuna Barnes, nachzulesen in dem wunderbaren Buch „Paris war eine Frau“ von Andrea Weiss. Verheiratet mit Männern waren trotzdem viele davon, sei es, um der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen. Oder eben aus wirtschaftlichen Gründen.

So, wie im Hollywood der 1920er bis 1950er Jahre. Dort trafen sich die Diven, die ausschließlich oder gelegentlich Frauen liebten, im sogenannten „Nähkreis“. Heute wissen wir, dass Greta Garbo, Marlene Dietrich, Barbara Stanwyck und viele andere Mitglieder waren. Damals handelte es sich um eines der bestgehüteten Geheimnisse Hollywoods.

Erst im Zuge der Frauenbewegung der 1970er Jahre zeigten sich mehr und mehr Frauen „out and proud“. Damals war es den Vordenkerinnen klar: frau war lesbisch (gut) oder hetera (schlecht). Dazwischen gab es nicht wirklich viel. Ein gängiger Satz unter Kontaktanzeigen lautete „bi oder verheiratet zwecklos.“ Hah! Als ob Lust und Liebe sich darum jemals gekümmert hätten. Bis in die 1990er Jahre hinein schien auch das optische Erscheinungsbild von Lesben einer klaren Regel zu folgen. Kurze Haare, ungeschminkt, unglamourös. Die Zeit der großen Parties änderte das dann erfreulicherweise wieder. Jetzt war alles erlaubt.

Und bei den Promis? Musste Anne Heche Ende der 90er noch fürchten, ihre Beziehung zu Ellen de Generes schade ihrer Karriere, weil sie nicht mehr als love interest ihrer männlichen Co-Stars glaubwürdig sei, haben sich inzwischen immer mehr weibliche Promis zu ihren lesbischen Lieben bekannt. Oder dazu, sich nicht festlegen zu lassen.

Celebrities wie Kristen Stewart, Cara Delevigne und Amber Heard zeigen sich als offensichtlich …. (genau, sie verstecken sich nicht, sagen aber auch nichts dazu) und pfeifen lautstark auf Etiketten jeglicher couleur. Hetera? Lesbe? Bi? Poly? – Egal. Dabei kommen sie erstaunlich souverän rüber  (lassen wir mal solche erotischen Springteufel wie Miley außen vor). Die Öffentlichkeit reagiert überwiegend gelassen. Keine Festlegung auf nichts könnte man es nennen. Oder aber – sein wer und wie man ist, ohne sich ein Etikett auf die Stirn pappen zu müssen. Genau so sollte es sein.