Gern gesehen: Blau ist eine warme Farbe – La vie d’Adèle – der Film

Blau ist eine warme Farbe -FIlmcover

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Am Anfang wollte ich gleich wieder rausgehen, so eklig fand ich die ersten Szenen. Ich sage nur – man kann Spaghetti und Döner so oder so essen. Gut, dass ich geblieben bin. Nach dem darüber hinaus auch noch sehr langatmigen Einstieg in die Geschichte und der ausufernden Darstellung der familiären Tristesse wurde ich mehr und mehr in den Bann der Hauptprotagonistin gezogen. Adèle ist anfangs 17, sie geht aufs Gymnasium und macht den ganz normalen Mädelskram mit. Schläft mit einem Jungen, dann mit einem Mädchen. Verlässt ihn und wird von ihr gleich nach der ersten Nacht zurückgewiesen. Sieht das Mädchen mit den blauen Haaren, ist hin und weg. Trifft sie in einer Lesbenbar wieder. Die Dinge entwickeln sich. Ihre Schulfreundinnen verhalten sich mobbig, ihre Eltern ahnen nichts.

Die Schülerin Adèle und die Studentin Emma, die anfangs noch in einer Beziehung steckt, fangen etwas miteinander an. Amour fou.

Es folgt ein ziemlich krasser Zeitsprung, auf einmal ist Adèle Vorschullehrerin, Emma eine zunehmend beachtete Künstlerin. Die beiden leben zusammen. Eine Affäre Adèles mit einem Kollegen, unüberlegt und ohne große Gefühle (im Comic hatte ich den Eindruck, sie wolle ein Kind. Im Film folgt diese Sequenz auf eine Szene, in der Emma mit einer Hochschwangeren flirtet, also sicherlich auch ein Hinweis) führt zum Ende der Beziehung. Emma schmeisst Adèle raus, ist fertig mit ihr.

Was dann folgt ist intensivste Darstellung von Liebeskummer und tiefem Schmerz. Adèles Leben ist von Leid und existenziellem Verlust geprägt.  Sie kommt nicht über die Trennung hinweg, versucht nach einiger Zeit, Emma zurückzugewinnen. Gespielt wird dieser letzte Teil des Films mit herzzereißender Intensität. Absolut berührend, lässt einen lange nicht mehr los.

Der Film weicht in einigen wesentlichen Punkten stark von der Vorlage der Graphic Novel ab. So wird die dort als Klammer verwendete Geschichte überhaupt nicht aufgegriffen, dementsprechend ist auch das Ende anders.

Die Autorin Julie Maroh hat sich in einem Interview kritisch dem Film gegenüber geäußert. Sie fand die Sexszenen nicht „lesbisch“ genug, sondern viel zu sehr so, wie mann sich „lesbischen Sex“ vorstelle. Mehr dürfte sie aber nicht zu kritteln haben, denn der Film ist ein grandioses Drama, hervorragend und schmerzhaft intensiv dargestellt.

Ein Highlight war für mich dazu noch der Soundtrack. Gibt es leider nicht als Album, aber bei YouTube eine Zusammenfassung.

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