Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 2

Nicht jeder Verlag ist ein guter Verlag

 Druckkostenzuschuss  ist ein Geldgrab und verbrennt Bücher

Letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse habe ich es wieder gesehen: Zwei in Autorinnenkreisen einschlägig bekannte Verlage hatten wieder ihre Zelte aufgeschlagen, eine riesige Menge von Veröffentlichungen, zumeist völlig Unbekannter, zierte die Wände. An den Besprechungstischen tummelten sich offensichtlich Interessierte. Alle würden, wenn sie es denn wollten, ihr Buch veröffentlichen können, weil solche Verlage jedes Buch drucken.

Wie können die sich das leisten?, möchte man sich da fragen. Ganz einfach – DIE leisten sich gar nichts, denn sie lassen sich alles bezahlen. Eine Autorin, die bei einem Druckkostenzuschussverlag (DKZV) veröffentlicht, muss erst einmal gehörig blechen, und zwar für alles. Für Lektorat, Druck, Cover,  Verwaltung … Sie wird dann irgendwann ihr Buch in Händen halten und sich fragen, warum niemand es kauft. Das ist einfach zu beantworten – DKZV machen in der Regel keine Werbung (es sei denn, die Autorin bezahlt dafür), haben keinen Vertrieb, sind im Buchhandel nicht präsent. Mehr zum Thema gibt es unter anderem beim Autorenforum Montségur.

Hier kann man klar sagen: überall, wo erst Geld fließen soll, um sein Buch zu veröffentlichen, ist etwas faul. Verlag sehr genau anschauen und im Zweifelsfall Finger weg.

Wer unbedingt ein Werk herausbringen möchte, auch mit eigener finanzieller Beteiligung, kann selbst eine Lektorin engagieren, zum Beispiel über den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren,  und sollte sich bei einigen  Publishing-on-Demand-Plattformen über die Konditionen schlau machen. Das enthebt nicht der Pflicht, das Buch hinterher der Öffentlichkeit nahe zu bringen, ist aber weniger kostenintensiv, man muss keine riesigen Mengen abnehmen und man hat dabei immer noch das Heft in der eigenen Hand.

 

Linke Touren nicht unterstützen

Vor einigen Jahren habe ich mich mit einem Beitrag bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb eines Verlags für lesbische Literatur beteiligt. Ich war unter den Preisträgerinnen – der Preis war ein Buch des Verlages –, und erhielt die Nachricht, der Verlag suche Stories für eine Anthologie, ich solle doch etwas einreichen, denn meine Schreibe würde gut ankommen.

Ich schickte zwei Geschichten ein und hörte nichts mehr. Als ich irgendwann auf die HP des Verlages ging, stellte ich fest, dass die zwei Texte dort online standen.

Wow!, dachte ich. Das ist ja toll! Man (also dieser Verlag = anbetungswürdige Instanz, die freundlicherweise Texte von unbekannten Autorinnen veröffentliche) hat meine Geschichten im Netz veröffentlicht!

Wie konnte ich nur so naiv sein! Heute, mit gehörigem Abstand, finde ich diese Sache schlicht und ergreifend unverschämt, denn

  • ·        niemand hat mich gefragt, der Verlag hatte überhaupt keine Veröffentlichungsrechte
  • ·        niemals habe ich auch nur einen Cent dafür gesehen
  • ·        die angekündigte Anthologie erschien wohl nie
  • ·        die Geschichten waren „verbrannt“, sowohl für Wettbewerbe als auch für die Veröffentlichung bei anderen Verlagen

Was lernt man daraus?

  • ·        Geschichten niemals anbieten, ohne dass man auf sein Copyright hinweist
  • ·        Verlage, die alles für umsonst haben wollen, meiden
  • ·        Verlage, die so etwas tun, auch nicht als Leserin unterstützen. Wer Autorinnen linkt, ist es nicht wert, das Geld ehrlicher Frauen zu bekommen (setzt natürlich voraus, dass frau das weiß)

Es gibt, neben vielen seriösen, eben auch weniger seriöse Verlage. Wer sich die Konditionen genau ansieht, muss sich vielleicht erst einmal vom Gedanken verabschieden, das eigene Buch herauszubringen. Das ist aber immer noch besser, als hinterher auf einem Kostenberg zu sitzen und nichts zu verkaufen.

© Celia Martin, 2014

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 1

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 3

Nachtrag: Brauchen Autorinnen Verlage?

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