Die Worte müssen sexy sein …

Schreibratgeber gibt es gefühlt unendlich viele. Der Markt ist da, ständig erzählt, postet, schreibt oder schreit jemand in die Welt hinaus „Ich schreibe ein Buch!“ In Deutschland und Österreich wimmelt es nur so von Autorinnen. Und alle, alle brauchen ihre Ratgeber.

Aber kann man denn so viel Neues zum Thema „Wie schreibe ich … “ zu Papier bringen? Ganz abgesehen davon, dass sich die wirklich erfolgreichen Leute im Geschäft sowiewo an keine Regeln halten. Aber das ist ein anderes Thema. Man muss die Regeln kennen, um sie kunstvoll  zu brechen, hat neulich jemand zu mir gesagt. Okay, Regeln also. Dann schauen wir mal, was es sich lohnt, zum Thema zu lesen. Meine Empfehlung lautet:

Verführung mit Worten - Karen Christine Angermeyer, Kösel Verlag

Verführung mit Worten – Karen Christine Angermayer, Kösel Verlag

Dieses Buch hat mir nämlich über so manch dunkle Stunde hinweggeholfen. Wenn gar nichts mehr ging, ich mich verrannt hatte, mit Worten und Romanfiguren rang, mit mir haderte. Dem ganzen normalen Wahnsinn, dem Autorinnen eben manchmal ausgesetzt sind.

Nicht, dass Frau Angermayer das Rad neu erfindet. Sie stellt aber alles Wissen, das sie sich angeeignet hat, und das ist reichlich, ziemlich anregend dar. Das Menü aus kantigen Schreibtipps wird durch geschmeidige Zwischengänge verfeinert. Seit ich bei ihr über den Alpha Zustand und die Erreichung desselben gelesen habe, gehen mir bestimmte Zahlenreihen nicht mehr aus dem Kopf. Die übrigens auch zum Einschlafen nutze, ein unerwarteter Nebeneffekt mit Traumgarantie.

Einer der Schlüsselsätze des Buches lautet „Mach es sexy“. Das macht sie, das kann sie, darüber hinaus kann jede von ihr in punkto Geschäftstüchtigkeit etwas lernen.

So. Es ist aber nicht damit getan, dieses Buch zu lesen und zu hoffen, dass die Sätze danach daherkommen wie knallrote High Heels.  Ich schätze „Verführung mit Worten“ als Übungsbuch und Nachschlagwerk, quasi als ständigen und amüsanten Begleiter. Sexy?  Gerne, immer wieder.

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 3

Vertragskonditionen – nicht alles, was sich gut anhört, ist auch gut

 Konditionen im Vertrag gut durchlesen

Einmal hatte ich schon den Füller in der Hand, um den Verlagsvertrag für ein Buch zu unterschreiben, da fiel mein Blick noch einmal auf den Passus, der mir nicht gefiel. Darin sollte ich mich verpflichten, nach dieser ersten Veröffentlichung für alle weiteren dem fraglichen Verlag das Recht einzuräumen, sie als erster zu prüfen. Im Klartext: Der Verlag hätte sämtliche Romane als Erster von mir angeboten bekommen müssen. Das empfand ich als nicht fair, denn ich möchte selbst entscheiden, wem ich was anbiete. Und ich möchte nicht unter Umständen monatelang warten müssen – es war überhaupt keine Prüfungsfrist angegeben – , bis ich ein Manuskript dann woanders anbiete.

Es gibt noch weitere Dinge, auf die zu schauen sich lohnt.

Heißt es etwa, die Tantiemen würden einmal jährlich ausbezahlt und zwar innerhalb von drei Monaten auf den Stichtag, heißt das: Bringt man sein Buch im Januar heraus, kann es 15 Monate dauern, bis man das erste Geld sieht! Das ist absolut indiskutabel. Selbst wenn man keine Bestsellerautorin ist, die monatlich ihre Kohle kriegt, kann man doch viertel- bis halbjährliche Abrechnungen erwarten.

Es ist auch nicht nur wichtig zu wissen, wie viel Prozent Tantiemen man erhält, sondern auch, wovon.

So ist der Nettoverkaufspreis (Ladenverkaufspreis minus Mehrwertsteuer) etwas ganz anderes als der Nettoverlagsabgabepreis. (Ladenverkaufspreis minus Händlerrabatt minus Mehrwertsteuer). Nimmt man 10% Tantieme an, ergibt sich im ersteren Fall eine wesentlich bessere Vergütung, als im zweiten. Also: Genau hinschauen und mal selber durchrechnen.

Zweifel an der Abrechnung? Autorinnen haben generell die Möglichkeit, in diesem Fall Einblick in die Unterlagen zu erhalten. Sitzt der Verlag aber im Ausland, ist es nicht unbedingt einfach und womöglich teuer, dieses Recht durchzusetzen.

Ein gute Adresse für alle Fragen rund um die Vertragsgestaltung ist „Traumziel Buch“ vom Uschtrin Verlag.

© Celia Martin, 2014

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 1

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 2

Nachtrag: Brauchen Autorinnen Verlage?

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 2

Nicht jeder Verlag ist ein guter Verlag

 Druckkostenzuschuss  ist ein Geldgrab und verbrennt Bücher

Letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse habe ich es wieder gesehen: Zwei in Autorinnenkreisen einschlägig bekannte Verlage hatten wieder ihre Zelte aufgeschlagen, eine riesige Menge von Veröffentlichungen, zumeist völlig Unbekannter, zierte die Wände. An den Besprechungstischen tummelten sich offensichtlich Interessierte. Alle würden, wenn sie es denn wollten, ihr Buch veröffentlichen können, weil solche Verlage jedes Buch drucken.

Wie können die sich das leisten?, möchte man sich da fragen. Ganz einfach – DIE leisten sich gar nichts, denn sie lassen sich alles bezahlen. Eine Autorin, die bei einem Druckkostenzuschussverlag (DKZV) veröffentlicht, muss erst einmal gehörig blechen, und zwar für alles. Für Lektorat, Druck, Cover,  Verwaltung … Sie wird dann irgendwann ihr Buch in Händen halten und sich fragen, warum niemand es kauft. Das ist einfach zu beantworten – DKZV machen in der Regel keine Werbung (es sei denn, die Autorin bezahlt dafür), haben keinen Vertrieb, sind im Buchhandel nicht präsent. Mehr zum Thema gibt es unter anderem beim Autorenforum Montségur.

Hier kann man klar sagen: überall, wo erst Geld fließen soll, um sein Buch zu veröffentlichen, ist etwas faul. Verlag sehr genau anschauen und im Zweifelsfall Finger weg.

Wer unbedingt ein Werk herausbringen möchte, auch mit eigener finanzieller Beteiligung, kann selbst eine Lektorin engagieren, zum Beispiel über den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren,  und sollte sich bei einigen  Publishing-on-Demand-Plattformen über die Konditionen schlau machen. Das enthebt nicht der Pflicht, das Buch hinterher der Öffentlichkeit nahe zu bringen, ist aber weniger kostenintensiv, man muss keine riesigen Mengen abnehmen und man hat dabei immer noch das Heft in der eigenen Hand.

 

Linke Touren nicht unterstützen

Vor einigen Jahren habe ich mich mit einem Beitrag bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb eines Verlags für lesbische Literatur beteiligt. Ich war unter den Preisträgerinnen – der Preis war ein Buch des Verlages –, und erhielt die Nachricht, der Verlag suche Stories für eine Anthologie, ich solle doch etwas einreichen, denn meine Schreibe würde gut ankommen.

Ich schickte zwei Geschichten ein und hörte nichts mehr. Als ich irgendwann auf die HP des Verlages ging, stellte ich fest, dass die zwei Texte dort online standen.

Wow!, dachte ich. Das ist ja toll! Man (also dieser Verlag = anbetungswürdige Instanz, die freundlicherweise Texte von unbekannten Autorinnen veröffentliche) hat meine Geschichten im Netz veröffentlicht!

Wie konnte ich nur so naiv sein! Heute, mit gehörigem Abstand, finde ich diese Sache schlicht und ergreifend unverschämt, denn

  • ·        niemand hat mich gefragt, der Verlag hatte überhaupt keine Veröffentlichungsrechte
  • ·        niemals habe ich auch nur einen Cent dafür gesehen
  • ·        die angekündigte Anthologie erschien wohl nie
  • ·        die Geschichten waren „verbrannt“, sowohl für Wettbewerbe als auch für die Veröffentlichung bei anderen Verlagen

Was lernt man daraus?

  • ·        Geschichten niemals anbieten, ohne dass man auf sein Copyright hinweist
  • ·        Verlage, die alles für umsonst haben wollen, meiden
  • ·        Verlage, die so etwas tun, auch nicht als Leserin unterstützen. Wer Autorinnen linkt, ist es nicht wert, das Geld ehrlicher Frauen zu bekommen (setzt natürlich voraus, dass frau das weiß)

Es gibt, neben vielen seriösen, eben auch weniger seriöse Verlage. Wer sich die Konditionen genau ansieht, muss sich vielleicht erst einmal vom Gedanken verabschieden, das eigene Buch herauszubringen. Das ist aber immer noch besser, als hinterher auf einem Kostenberg zu sitzen und nichts zu verkaufen.

© Celia Martin, 2014

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 1

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 3

Nachtrag: Brauchen Autorinnen Verlage?