Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 1

Manuskripte verkaufen ist schwer

Bis vor ein paar Jahren war es klar: Wer erfolgreich ein Buch veröffentlichen wollte, brauchte einen Verlag. Manch eine Autorin hat sich da die Finger wund geschrieben, ihre Manuskripte angeboten und oft, gelegentlich oder manchmal noch nicht einmal eine Antwort erhalten. Wohin das führen kann, beschreibt die inzwischen mit mehreren Büchern erfolgreiche Schriftstellerin Carla Berling in ihrem Buch „Vom Kämpfen und vom Schreiben“.

Dann kamen die Literaturagenturen auf, die wenigstens Zeit hatten, Manuskripte zu lesen. Inzwischen sind die so überlaufen, dass der Kontakt für Autorinnen, die nicht Mainstream schreiben oder große Zielgruppen bedienen oder beides, genauso frustrierend sein kann.

Viele Autorinnen schwenkten irgendwann auf Selfpublishing um. Mit teils schlimmen Folgen. Entweder für die Leserinnen, die völlig unreflektierte und unlektorierte Elaborate zu lesen bekamen. Oder für die Autorinnen, die im vier- bis fünfstelligen Bereich investierten, ihre Bücher aber trotzdem nicht verkauft bekamen.

Die jüngste und revolutionärste Neuerung ist Amazon Kindle. Wow. Eine völlig neue Veröffentlichungsplattform. Inzwischen haben einige Anbieter nachgezogen. Hoffnungsvolle Autorinnen können dort gerade im E-Book-Bereich sehr unkompliziert und zu attraktiven Konditionen ihre Bücher einstellen. Ein Riesending, das allerdings, wenn man einmal ehrlich ist, für Leserinnen der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleicht, wenn man ein gut geschriebenes Buch finden will.

Auch ich habe dort meine Kurzgeschichtensammlung „Tätowierter Herzen“ veröffentlicht, weil es einfach zu wenig Verlage gibt, die an Short Stories interessiert sind. Meine Erfahrungen damit sind gut, ein weiteres Buch ist in Planung.

 

Die Aufgabe von Verlagen

Die Frage, ob Autorinnen Verlage brauchen, würde ich trotzdem mit einem klaren „Ja“ beantworten.

Erstens, weil ich eine Verfechterin der Arbeitsteilung bin. Die Autorin schreibt, idealerweise hat sie nicht nur Fantasie, sondern auch eine eigene Sprache, setzt ihren Plot spannend um und hat etwas zu sagen, was ihre Leserinnen gerne hören oder lesen.

Der Verlag sorgt für ein (zweites) Korrektorat und für das Lektorat, denn Schriftstellerinnen sind nicht unbedingt Germanistinnen und Lektorinnen. Ferner für Druck, Vertonung oder Aufbereitung für den E-Book-Bereich, macht Cover, Vertrieb, PR, Presse und sorgt ganz allgemein dafür, dass das Buch seinen Weg zur Leserin findet.

Autorinnen, die das alles alleine wuppen wollen, nehmen sich ziemlich viel vor. Manche schaffen es gut, andere eher nicht. Ich kenne die Argumente, die da lauten: ich habe ein f*book profil, bin bei t*itter, kommuniziere über *ing oder *ong oder bin überhaupt so schrecklich netzaffin, dass mir keine entgehen kann. Viel Spaß dabei, ich kenne inzwischen einige Kolleginnen, die stundenlang ihre Netze flicken und pflegen und dennoch beileibe nicht den Fang haben, den sie sich vorstellen. Ganz zu schweigen davon, dass allzuviel „Bürokrakie“ nicht gut für die Kreativität ist.

Zweites bin ich der festen Überzeugung bin, dass der Prozess des „durch das Nadelöhr gehen“ manchmal nicht verkehrt ist. Sprich: wer sich mit den Einlassungen, Änderungswünschen, Vorstellungen von Lektorin und/oder Verlag auseinandersetzt, lernt dabei nicht nur viel über das Zielpublikum, sondern auch über die Denke, mit der Bücher auf den Markt gebracht werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Autorin und Verlag ist im positiven Fall für beide ertragreich. Künstlerisch, menschlich, wirtschaftlich.

Mach doch beides

Zurzeit sage ich, dass man durchaus beide Schienen fahren kann. Bei Themen oder Genres, für die sich schwer ein Verlag finden lässt, kann die eigene E-Book-Publikation durchaus sinnvoll sein. Für Veröffentlichungen, bei denen Zielgruppe und Werbung, Öffentlichkeitswirksamkeit und professionelles Handwerk Hand in Hand gehen müssen, ist ein Verlag nicht so unverzichtbar, wie man vielleicht denkt.

© Celia Martin, 2014

Es folgen:

Brauchen Autorinnen Verlage?  – Teil 2

Brauchen Autorinnen Verlage? – Teil 3

Nachtrag: Brauchen Autorinnen Verlage?

Gern gelesen: Blau ist eine warme Farbe – Graphic Novel von Julie Maroh

Die Geschichte einer tragischen Amour fou.

Es lag unterm Weihnachtsbaum, inzwischen habe ich es gelesen, oder wie sagt man bei Graphic Novels?

„Blau ist eine warme Farbe“ von Julie Maroh erzählt die Geschichte einer Liebe auf den ersten Blick. Die fünfzehnjährige Clémentine ist wie vom Blitz getroffen, als sie Emma sieht, die junge Frau mit dem blauen Haar, die ihr fortan nicht mehr aus dem Kopf geht. Die lebt mit Sabine, will sich zunächst nicht trennen. Clém und Emma beginnen im Laufe der kommenden Jahre nach einer freundschaftlichen Annäherung eine Affäre, leben schließlich zusammen. Dennoch, in Clémentine gibt es eine Traurigkeit, die sie nur schwer dauerhaft glücklich werden lässt. Und dann gibt es ja auch noch das Schicksal …

Das Buch wurde unter dem Untertitel „La vie d’Adèle“  inzwischen verfilmt, hat 2013 bei den Filmfestspielen in Cannes die goldene Palme, sowie den Preis des Kritikerverbands gewonnen und ist inzwischen auch zum Publikumsliebling avanciert. Nur die Schöpferin der Figuren, Julie Maroh, war nicht zufrieden, fand die Darstellung der Sexualität nicht lesbisch genug, sondern so, wie sich Heteros lesbischen Sex vorstellen. Vielleicht ärgerte es sie aber auch nur, dass die Macher und Darstellerinnen des Films sie nicht mit einbezogen haben, wer weiß.

Den Film habe ich noch nicht gesehen, die herzergreifende Graphic Novel gefällt mir sehr gut! Die deutsche Ausgabe erschien im Splitter Verlag.

Blau ist eine warme Farbe - Graphic Novel von Julie Maroh - Splitter Verlag

Blau ist eine warme Farbe – Graphic Novel von Julie Maroh – Splitter Verlag