Was ich alles muss …

„Sie müssen mehr Sport treiben“, meint meine Ärztin, (die eine bedenkliche Neigung zu diesebezüglichem Schlendrian feststellt).

„Du musst endlich mal deine Steuerunterlagen ordnen“, meint meine Schwester, (die mir in ihrem Büro die Steuererklärung erstellt und jedes Jahr deswegen hinter mir herrennt).

„Du musst endlich mal was in Richtung Fantasy/Thriller/Landleben usw.usf. schreiben“, meinen Freundinnen (die das gerne lesen).

„Du musst endlich mal ausspannen, fahr mit mir nach Norwegen“, meint meine gute Freundin Kari, (die generell eine gute Nase dafür hat, was mir gerade guttäte).

„Du musst mehr arbeiten, damit du mehr verdienst“, sagt ebenfalls meine Schwester, (weil, s.o.).

„Du musst dich endlich mal bei f*b* anmelden“, meinen Leute, die mich nicht wirklich kennen (sonst würden sie das nicht von mir erwarten).

Usw. Usf.

Was ich so alles muss … oder müsste … Dabei fällt mir ein, dass ich jedenfalls heute gar nichts tun muss, weil ich mir einfach einen Tag Auszeit genommen habe. Das Telefon ist aus, der Computer auch gleich. Ich sitze am Balkon und sehe den Hummeln zu, wie sie sich im Thymian tummeln. Schmetterlinge tanzen liebestrunken durch den Tag und ich schalte komplett ab. Ohne es zu müssen, einfach, weil ich es möchte und mir leiste. Für heute. Schließlich, morgen ist auch noch ein Tag (frei nach Scarlett O’Hara).

 

 

 

 

Rituale

Bevor ein neues Buch erscheinen kann, arbeitet die Autorin monatelang im Verborgenen, an ihrem Schreibtisch, manchmal auch unterwegs. Sie tippt und schreibt, überarbeitet, liest, lässt manchmal lesen, verändert, stellt um, streicht, ergänzt … und nach teilweise hartem Ringen um Szenen und Worte schreibt sie das Eine, das ihr signalisiert – jetzt ist die Story fertig. Das Wort ENDE.

Natürlich ist das immer nur ein vorläufiges Ende. Denn nun folgen auf die kreative Phase andere, aber dazu irgendwann später mehr.

Jetzt, in dem Moment, in dem eine Geschichte zu Ende erzählt und an den Verlag geschickt ist, folgt ein kleines Ritual.

Nach dem PC wird auch der große  Schreibtisch aufgeräumt. Total. Bei lauter Musik und bestens gelaunt ordne ich alles, was dort so in den vergangenen Monaten bei der Arbeit so angesammelt hat. Werfe die Notizen weg, die sich erledigt haben, sortiere die Ausdrucke, ordne meine Unterlagen. Lasse die Staubtücher darüber tanzen. Fische eine CD unter einem Stapel Papier hervor („ach, da war die also …), finde die Batterien für meine Kamera wieder und eine Einkaufsliste von vor ? Wochen. Tja, es kann durchaus interessant sein, mal aufzuräumen.

Jetzt liegt nur noch der Klarsichtordner mit dem ausgedruckten Manuskript des soeben beendeten Buches hier. Er wird gleich weiterwandern, in sein neues Domizil im Regal. Dort hole ich ihn erst wieder hervor, wenn eine Rückmeldung kommt und es weitergeht.

Neues Buch gerade beendet -  ? von Celia Martin

Neues Buch gerade beendet – ? von Celia Martin

Dann, wenn alles frei ist und empfänglich für ein neues Manuskript, setze ich mich an meinen Notizblock und sichte die Ideen, die sich dort versammelt haben. Stichworte, Scribbles, kurze Texte, Bilder, Fotos … Die sich jetzt schon in meinem Kopf zu einer Geschichte formieren.

© Celia Martin, 2013

Gern gelesen: Frauenroman

Ein Buch, das einfach „Frauenroman“ heißt? Wer dabei an die üblichen Verdächtigen denkt, liegt göttinseidank ziemlich falsch.

Die Autorin Catrin Alpach schickt ihre sympathisch unvollkommene und leicht verpeilte Schriftstellerin von erotischen Romanen Louise Krämer in haarsträubende Situationen. Erst wird sie, nolens volens, zur Bestsellerautorin – ausgerechnet mit einem sexfreien Buch. Dann soll sie, zur lesbisch-feministischen Ikone erhoben, nachlegen. Ein Buch mit Sex, aber ohne Männer. Louise begibt sich also auf Spurensuchen. Wie ist das mit den Frauen + den Frauen? Tatkräftige Hilfe erhält sie von ihrer besten Freundin, die neben ihrer Ehe heimlich eine liaison lesbienne pflegt. Und von einer verstörenden echt lesbischen Unbekannten, mit der sie sich eigentlich treffen will, derweil aber telefoniert und telefoniert und sich dabei so vieles vorstellt. Am Schluss gibt es natürlich noch eine Überraschung, klar. Aber nicht so, wie frau beim Lesen denkt.

Sehr witzig geschrieben, die Protagonistin schreitet flott durch alle Fettnäpfchen und misservständliche Situationen, immer auf der Suche nach der ultimativen Erfahrung unter Frauen. Oder vielleicht auch nicht …

Sehr amüsant, kein richtiger Lesbenroman, natürlich nicht, aber einer der besseren heiteren Frauenromane, macht auf jeden Fall gute Laune und weckt Lust auf mehr von Louise.

Frauenroman - Roman von Catrin Alpach

Frauenroman – Roman von Catrin Alpach

 

© Celia Martin, 2013

Dürfen Lesben Usher lieben?

Eine komische Frage, die ich mir da vor einiger Zeit gestellt habe. Hintergrund ist eine Szene meines neuen Buches,  in dem eine Szene in einem Lesbenclub spielt. Da ich gerade kurz zuvor selbst ziemlich gut auf Ushers „Scream“ abhottet habe, war mir der Sound noch gut im Ohr. Aber der Text … ohjeh, dachte ich zunächst. Das geht doch gar nicht, weil ziemlich in die Richtung – einen Frauenkörper sehen und auf eindeutige Gedanken kommen.

„I’ll make you scream – oh baby, baby.“

Nach kurzem Hin und Her habe ich meine Mädelsclique dennoch auf genau den Titel heiß und heftig tanzen lassen. Und was sage ich, eine meiner Testleserinnen hat das anstandslos passieren lassen („Ist mir so nicht aufgefallen, wir spielen ja im wahren Leben auch nicht immer nur Musi von Frauen“). Die zweite fand es sogar ziemlich gut („Geht mir ähnlich, wenn ich eine starke Lady sehen denke ich an …“). Okay es blieb stehen.

Dass ich manchmal über solche Dinge stolpere hängt vielleicht damit zusammen, dass ich beim Schreiben schon mal denke, ob Leserinnen das, was ich da mache, lesbenpolitisch korrekt finden (obwohl das auch so ein unendlich großes Fass ist, das man damit aufmacht.)

Übertreibe ich da wohl manchmal?