Was darf sie, was ich nicht darf?

Meine Romanheldinnen. Haben Sie mehr Freiheiten als ihre Autorin? Müssen sie den gängigen Standards  in punkto Korrektheit folgen oder nicht?

Die Frage stellt sich bei der Entwicklung einer Figur immer wieder. Ich finde inzwischen, dass sie das nicht müssen. Wäre doch langweilig, immer so schrecklich brav zu sein. Also dürfen sie ruhig mal eine Nacht durchzechen. Der Kater am Morgen danach kann auf dem Papier auch lustig sein, da trennt sich Fantasie von Wirklichkeit. Die eine oder andere darf ab sofort auch qualmen. Sowieso geht gelegentlich auch mal ein Joint. Schlemmerorgien oder schlimme Ernährungsgewohnheiten ausleben. Sex zu dritt? Öh. Ja, wird auch mal Zeit.

Figuren dürfen im Bett liegen bleiben und sich die Decke über den Kopf ziehen, Verabredungen verpennen, ihre Miete nicht pünktlich bezahlen, ihr Girokonto überziehen, zur Lieblingsfeindin echt gemein sein, die Liebste anschwindeln, alle anderen sowieso, mit überhöhter Geschwindigkeit autofahren, in der U-Bahn schwarzfahren, Tassen gegen die Wand schmeissen und vieles mehr. Also vieles, was ich als ihre Erfinderin natürlich nie, nie, nie tun würde!

Brauch ich dann auch nicht mehr, macht ja Spaß, so richtig aus dem Vollen schöpfen zu können, mit einem kleinen Grinsen auf dem Gesicht den eigenen Romanfiguren grenzenlose Freiheiten einzuräumen. Und jetzt gehe ich dran und kreiere mal meine Traumfrau. Rein literarisch betrachtet, natürlich 😉

Flasche leer, nix mehr!

Fastenzeit.

Wie lange geht das eigentlich? Je nach Lesart sind es mal 40 oder 42 Tage. Sieben Wochen machen die Knallharten, andere sechs Wochen oder fünfeinhalb. Es gibt ja Spezialisten, die sagen, die Sonntage würden nicht dazu zählen. Und Bier ginge immer, weil ja in den Klöstern gerade in der Fastenzeit das stärkste Bier gebraut wurde.

Also, ich starte immer am Aschermittwoch und faste bis zum Gründonnerstag. Dieses Jahr heißt das: erst einmal keinen Alkohol mehr und auch kein Fleisch (also, keines auf dem Teller :-).

 

Fastenzeit - Foto © Celia Martin

Fastenzeit – Foto © Celia Martin

Gut auch, dass jede ihres machen kann. Verzicht auf f***b die eine, keine süßen Schlemmerorgien die andere, nix Neues kaufen die dritte, usw. usf.

Kostet Überwindung, klar. Aber man merkt auch, was man in der Zeit so für Luxussorgen hat. Gibt es doch Menschen auf dieser Welt, die sich das nicht aussuchen können, für die der Mangel normal ist. Freiwilliger Verzicht ist dagegen, nun ja, eine eher leichte Übung.

Wer klassisch fastet, tut nebenbei noch etwas für die Gesundheit. Detox nennt sich das auf modern. Gilt auch für mich. Die Schränke sind voller leckerer und gesunder Tees und wenn ich abends nicht mehr in der Kneipe herumsumpere, komme ich mit dem Schreiben auch schneller voran. Ein bisschen häufiger die Turnschuhe will ich mir auch anziehen. Da bin ich doch glatt am Karfreitag wieder fit und ein bisschen entschlackter.

Frohes Fasten!

Vom Schreiben

Also nein, das hier wird kein neuer Schreibratgeber oder so. Dafür fühle ich mich nicht geeignet und es gibt auch schon so viele im Netz.

Ich schreibe lieber über die Erfahrungen, die ich als Autorin in meiner ganz persönlichen Schreibwerkstatt mache.

Geschichten erfinden ist für mich die absolute Erfüllung. In meinem Kopfkino läuft ständig ein Film. Es wird fantasiert, wieder verworfen, manches  nur weitergesponnen. Wenn ich Glück habe, rattern die Finger dann gleich über die Tastatur und mästen den Ideenfundus. Gleichzeitig bin ich gerne mal einfach eine faule Socke. Wer sagt denn, dass es nicht produktiv ist, auf dem Sofa herumzuliegen und tagträumend in die Gegend zu starren? Dann geht es sowieso irgendwann los, „meine“ Figuren kommen auf mich zu. Sie sagen und tun Dinge, die dann natürlich sofort aufgeschrieben werden müssen. Schnell was auf den Block gekritzelt oder ins Notebook gehämmert. Es ist selten auch nur annähernd druckreif. Häufig überkommt mich daher der Gedanke „Ach, wenn es doch nur schon fertig ausformuliert wäre, wie von selbst ginge“.

Ich bräuchte etwas, das Gedanken sofort in stilvolle Sätze formt und zu Papier bringt! Das wäre doch eine tolle Erfindung und mindestens genauso sinnvoll wie irgendwelche Brillen, die einem erklären, wo man gerade ist und welches Bauwerk man anstarrt, wenn man es schon selbst nicht weiß!

Im Kopf erfinde ich ständig die tollsten Sachen, leider gibt es die bisher nur in einem Paralelluniversum.  Trotzdem, ganz schön anstrengend. Da muss ich mich glatt gleich mal ein bisschen hinlegen. Vorsichtshalber nehme ich aber noch Block und Stift mit. Man weiß ja nie, welche Ideen einem da so kommen.